


Dienstag, 09. Juli 2013, 18.00 Uhr
im Barockzimmer des Talamts in der Moritzburg
Die Südseesammlung der Moritzburg
Vortrag von Dr. Albrecht Pohlmann
Im Jahr 1899 erwarb die Stadt Halle für ihr Museum eine umfangreiche Sammlung völkerkundlicher Objekte aus den deutschen Südsee-Kolonien. Max Sauerlandt erkannte nach seinem Amtsantritt als Museumsleiter 1908 schnell den künstlerischen Wert der Sammlung und integrierte sie in seine ganzheitliche Museumskonzeption, wobei ausgewählte Südsee-Exponate mit Emil Noldes Gemälde „Der Missionar“ konfrontiert wurden. Im Gegensatz zum „wissenschaftlichen“ Standpunkt der damaligen Völkerkundemuseen, der vom kolonialistischen Blick nicht zu trennen war, gehörten die Artefakte aus Melanesien für Sauerlandt zum Kanon der Weltkunst als „Produkte einer ganz naiven und unverbildeten Phantasie“, denen er größere Verwandtschaft mit den „modernsten Absichten“ des Werkbundes zuerkannte, als dem historistischen Kunsthandwerk des gerade vergangen Jahrhunderts.
Sauerlandts Nachfolger Alois Schardt ließ die Sammlung 1926 aufgrund geänderter Museumskonzeption verpacken, 1953 wurde der größte Teil dem Völkerkundemuseum Leipzig zur Kompensation von Kriegsverlusten übereignet, so dass sich heute nur noch wenige Exponate in der Moritzburg befinden.
Der Vortrag wird aber ebenso auf die Person des Sammlers eingehen, welcher die rund 1700 Exponate zusammengetragen hatte. Der Hallenser Franz Hellwig (1854-1929) verkörperte die für die deutschen Südseekolonien typische Mischung aus Pioniergeist, Abenteurertum und Geschäftssinn – eine Ambivalenz, welche auch seine Sammlung spiegelt: die hochwertigen Erzeugnisse melanischen Kunsthandwerks hatte er mit billigen Industriewaren bezahlt. Heute würde man es „Raubkunst“ nennen.
Die Reihe "Der Förderkreis lädt ein" ergänzt seit über 20 Jahren das Veranstaltungsprogramm der Moritzburg.
Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen. Eintritt frei.
Quelle: Förderkreis der Moritzburg