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Interview : Dr. Maibach mit "Wunder gescheh’n "

Dr. Maibach mit Wunder geschehen
(c) Josep Forteza Marti

1. Wunder gescheh’n basiert auf dem Klassiker I Will Survive. Was hat dich dazu bewegt, genau diesen Song neu zu interpretieren?

Geplant war es nicht. Es an einem Samstag - erst wenige Wochen her - als ich im Radio eine neue Remix-Version des originalen Songs mit viel Instrumentaleinlagen hörte. In diesem Moment hatte es mich gepackt und ich hatte sofort eine Vision. Die unbändige Energie dieser Melodie mittels Saxophon und positivem deutschen Text umzusetzen. Meine Recherche bestätigte mein Gefühl, dass im deutschen Schlager bisher nur eine Seite der Medaille erzählt wurde – meistens ging es ums Verlassenwerden und das bloße „Überleben“. Ich wollte diese ikonische Kraft nutzen, um eine Geschichte zu erzählen, die nicht im Schmerz verharrt, sondern nach vorne blickt.

2. Der Originalsong von Gloria Gaynor steht für Stärke und Selbstbehauptung. Welche eigene Perspektive wolltest du mit deiner Version hinzufügen?

Gloria Gaynor singt über die Stärke, die man nach einer Niederlage findet. Ich wollte eine Perspektive hinzufügen, die noch einen Schritt weitergeht: Es geht nicht nur ums Überleben, sondern um das bewusste Erleben von Wundern im Hier und Jetzt. Mir ist es immer wichtig mit einem Song eine Botschaft zu vermitteln. Ein lebensbejahender Text war mir wichtig. Ich wollte weg vom „Opfer-Status“ hin zu einem positiven Lebensgefühl.

3. Wie bist du bei der inhaltlichen Anpassung vorgegangen, gab es Textstellen, die besonders herausfordernd waren?

Die größte Herausforderung war, den Flow der weltbekannten Phrasierung beizubehalten, ohne in Klischees zu verfallen. Ich hatte das große Glück, auf eine lyrische Rarität zu stoßen – einen Text, den Helena Vondráčková früher sang. Dieser Text hat mich sofort berührt, weil er meine eigene Philosophie widerspiegelt: „Lerne aus der Vergangenheit, träume von der Zukunft, aber lebe in der Gegenwart.“ Diesen Geist in ein modernes Gewand zu hüllen, war ein spannender Prozess.

4. Inwiefern unterscheidet sich deine Version musikalisch vom Disco-Original? War es dir wichtig, bewusst einen neuen Sound zu schaffen?

Absolut. Ein reiner Abklatsch des 70er-Jahre-Disco-Sounds wäre der Nummer nicht gerecht geworden. Wir haben uns am aktuellen, druckvollen Sound von Produzenten wie Luka J Master orientiert. Das Ergebnis ist ein hochenergetischer Discofox-Mix. Besonders wichtig waren mir die organischen Elemente: Ich habe meinen Saxophonisten die Anweisung gegeben so richtig zu eskalieren und völlig frei zu improvisieren. Am Ende hatten wir etliche Saxophon Tonspuren und mussten uns auf die passendste einigen. Genau dieses Saxophon verleiht dem Song jetzt diese lebendige Seele.

5. Gab es einen Moment im Studio, in dem du gemerkt hast: „Jetzt wird aus dem Cover wirklich mein eigener Song“?

Ja, es gab sogar zwei Momente. Der erste Moment war der, als ich den Song für mich gesanglich einübte und nach einiger Zeit meine Rhythmik und Betonung für den Text gefunden hatte. Der zweite Moment war, als ich das erste Mal das Soxophon über dem modernen Beat hörte. Da war plötzlich diese Mischung aus Nostalgie und die in meiner Vision gewünschte völlig neuer Power. In diesem Augenblick habe ich gespürt: Jetzt ist aus dem Song meine eigene Interpretation geworden. 

6. Coverversionen werden oft mit dem Original verglichen: Wie gehst du mit diesen Erwartungen um, und was macht deine Version einzigartig?

Vergleiche sind natürlich unvermeidlich, aber ich sehe das entspannt. Das Original von Gloria Gaynor ist ein unantastbares Monument der Musikgeschichte. Eine gute Coverversion darf niemals eine blosse Kopie sein; sie muss das Original ehren und gleichzeitig neue Perspektiven eröffnen. Ich hoffe, dies ist mir vorliegend gelungen, indem ich dem Song eine frische, positive Seele eingehaucht habe. Wer den Song hört, soll nicht zurückblicken, sondern die Wunder im Hier und Jetzt feiern.

 

Das Interview wurde von Franca Barthel geführt. Wir wünschen Dr. Maibach viel Erfolg mit dem Song , den man sich hier anhören kann . 

 

 

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